Stilfindung in der Fotografie

Als ich mit einer meiner Klasse vor noch nicht allzulanger Zeit beim Nachtessen sass, enstand ein Gespräch zum Thema "Eigene Stilfindung in der Fotografie". Der Tenor der StudentInnen war, dass sie Mühe bekundeten, einen eigenen Stil in der Fotografie zu finden. Nachdem ich dem Gespräch einige Zeit zugehört hatte, fragte ich, wieso dies für sie so wichtig sei. Damit man unverwechselbar sei, man am Stil erkennbar sei, waren die Antworten. Meine Entgegnung darauf: Mit der Zeit - und das kann Jahre dauern - entwickelt man vielleicht sowas wie einen eigenen Stil. Diesen aber verzweifelt zu suchen, ist, wie wenn man verzweifelt eine Beziehung sucht: es ist vergebens. Ein eigener Stil kann auch gefangen machen, immer dasselbe liefern zu müssen, ein eigener Stil kann schnell zu einer engen Schublade werden. Viel wichtiger erscheint mir, mit dem Herzen zu fotografieren, in welchem Stil auch immer. Was von Herzen kommt, funktioniert meist sehr gut, der "Stil" ist sekundär. Ich habe vor einigen Jahren eine Jazzbigband ein Jahr lang fotografisch an ihren Konzerten begleitet. Ich habe sowohl schwarzweisse wie auch farbige Aufnahmen gemacht. Diese waren vom Stil her so verschieden, dass mich an der Vernissage gewisse Leute gefragt haben, ob wirklich ich alle diese Aufnahmen gemacht hätte... zwei Aufnahmen aus der Serie mögen die komplett verschiedenen Stile zeigen. Beide Arten zu fotografieren haben mir unendlich viel Spass gemacht; ich hätte mich nie auf "einen Stil" reduzieren wollen!

Kontrabassist in Schwarzweiss

Saxophonist

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